Seniorenfreizeit 2019

Foto: Hotel Seehof Aartalsee

Erlebnisreiche Tage in Hessen

Pünktlich zum Herbstanfang startete eine 35-köpfige Gruppe der evangelischen Kirchengemeinde Spaichingen unter Leitung von Pfarrer Thiemann zu einer einwöchigen Seniorenfreizeit. Das Ziel war der Aartalsee mitten im Naturpark Lahn-Dill-Bergland und dort der kleine Ort Bischoffen-Niederweidbach. Vom Hotel Seehof aus haben wir die reizvolle, hügelige Gegend kennengelenrt und sternförmig die Städte und Höhepunkte der Umgebung erkundert.

Da war zunächst die Stadt Dillenburg mit ihrem steil aufragenden Schlossber, dem Stammsitz der Oranier. Noch heute erinnern der mächtige Wilhelmsturm mit seinem Museum sowie das Stadtschloss, die Orangerie und er Hofgarten an der Dill an die Verbindung mit dem niederländischen Königshaus.
Wenige Kilometer südlich liegt die unter Denkmalschutz stehende Stadt Herborn ebenfalls an der deutschen Fachwerkstraße. Viel Spaß hatte die Gruppe bei der sachkundigen Führung duch die mittelalterliche Stadt mit dem wappengeschmückten Rathaus. Ein "Notnagel" erregte unsere Aufmerksamkeit und uralte Redewendungen wie "die Leviten lesen", " in der Kreide stehen" oder "ein X für ein U vormachen" wurden anschaulich erklärt. Herborn hatte eine Hohe Schule, an der der Straburger Theologe Piscator lehrte und bereits früh wurde das reformierte Bekenntnis eingeführt, was in der Stadtkirche an zahlreichen Spuren zu erkennen war.

Pfarrer Thiemann stellte die Tage wieder unter ein besonderes Thema - diesmal stand Jesus selbst im Mittelpunkt - was wir wissen, was wir glauben können. Die Anregungen aus vielen Quellen der Evangelisten, aus Briefen, Forschungsergebenissen vertieften unser Denken und täglich praktizierten wir Singen und Beten in froher Gemeinschaft.

Ein weiteres Ziel auf unserer Reise war das Besucherbergwerk mit Tiefgang - die Grube "Fortuna" in der Eisenerzgestein abgebaut wurde. Tatsächlich ging es helmbewehrt mit dem Förderkorb 150 m abwärts, dann folgte eine rasanta Fahrt mit der Grubenbahn durch die dunklen Stollen, wo uns schwere Steinborer, Werkzeuge, Ladegeräte ud Fördermaschinen vorgeführt wurden. Staub, Lärm, Kälte ud das Gewicht des Gesteins machten den Bergleuten früher schwer zu schaffen.

Wir besuchten auch Schloss Braunfels - auf einem hohen Basaltfelsen erbaut -, das seit dem Mittelalter in 21. Generation Gesidenz der Fürstenfamilie von Solms ist und prächtige Schauräume, wertvolle Sammlungen und Gemälde hinter gewaltigen Verteidigungstürmen und Ringmauern birgt. Die lsutig inszenierte Begleitung durch das Schloss erheiterte und gefiel uns Besuchern.

Ein großer Programmpunkt war die ganztägige Fahrt in die Universitätsstadt Marburg an der Lahn-Erinnerungsort der Heiligen Elisabeth, die nach dem Tod ihres Mannes Ludwig hier segenreich wirkte und ein Hospital gründete. Viel Zeit hatten wir für die Besichtigung der Elisabethkirche (der erste gotische Bau damals bei uns) und ihren Kunstschätzen: die Glasfenster, das Leben der Heiligen darstellend, der Schrein, ein Meisterwerk rheinische Goldschmiedekunst, das Gabrelief am Mausoleum, der reich verzierte Hochaltar, der Landgrafenchor mit Grablegen.

Ein schönes Hörerlebnis war eine begeistert sindgende Kindergruppe bei einem Erntedankgottesdienst im Chorraum. Der Fussweg in die Oberstadt oder gar zum steil darüberliegenden Landgrafenschloss war bei leichtem Regen nicht leicht, lohnte sich jedoch - die Aussicht auf Stadt, Lahntal und Umgebung war einmalig. Manche besuchten Museen, die alte Universität, schlenderten durch die alten Gassen oder genossen das bezaubernde Flair in dieser Stadt rings ums alte Rathaus. Erholung und Entspannung fand die Gruppe abends wieder im angenehmen Hotel Seehof, wo sich alle wohlfühlten und die sehr gute Küche lobten, bei einem Spaziergang am Ufer, bei den Spiel- oder Gesprächsrunden, beim gemeinsamen Singen mit Frau Christs und Pfarrer Thiemanns musikalischer Begleitung. Der letzte Freizeittag führte uns zur Doppeltürmigen Burg Greifenstein in das teils unterirdische Deutsche Glockenmuseum, wo wir selbst aktiv die unterschiedlichen Glocken zum Klingen bringen durften - eine tolle Erfahrung!

Durch die Kasematten gelangten wir in eine barocke Kapelle mit erstaunlich reicher Stuckausstattung. Am Nachmittag besuchten wir die Altstadt von Wetzlar mit dem imposanten gotischen Dom verschiedenster Stilrichtungen - von der alten Lahnbrücke aus gesehen ein großartiger Anblick. Auf dem Domplatz überraschte uns eine junge Frau in historischer Kleidung namens Lotte Buff, die einstmals mit dem jungen Goethe eine Romanze erlebte und uns auf dessen Spuren zu besonderen Orten führte. Der Dichterfürst verewigte Lotte damals im Roman "Werthers Leiden".

Am Samstag ging die erlebnisreiche Woche in froher Gemeinschaft zu Ende mit einem Besuch der evangelischen Marienkirche oben in Niederweibach, die in einen uralten Wehrturm hineingebaut, mit einem besonderen Marienaltar und zwei wunderschönen Altarflügeln der Cranachschule ausgestattet ist. Der dortige Pfarrer erklärte uns, dass der Turm früher eine Zollstation auf der alten Handelsstraße Köln-Leipniz war und so auch ein reger kultureller Austausch vonstattenging.

Auf der Rückfahrt gab es noch einen kurzen Halt in der Stadt Worms am Rhein mit Besuch des Kaiserdomes und des samstäglichen Marktes, bevor wir wohlbehalten und erfüllt von all den Eindrücken wieeder unsere heimatliche Gefilde in Spaichingen erreichten und uns dankbar von unseren beiden "tragenden Säulen - unserem Busfahrer und unserem Buspfarrer" verabschiedeten.

Siegrun Mohrendt