Predigt am Dreieinigkeitsfest, 16.Juni 2019 zu 2. Kor. 13, 11-13, Fest der Goldenen Konfirmation in Spaichingen, Pfarrer Johannes Thiemann

11 Zuletzt, Schwestern und Brüder, freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden! So wird der Gott der Liebe und des Friedens mit euch sein. 12 Grüßt euch untereinander mit dem heiligen Kuss. Es grüßen euch alle Heiligen. 13 Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus und die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes sei mit euch allen!

Liebe Konfirmandenjubilare, liebe Gemeinde!
Zu einem Konfirmationsjubiläumsfest gehört ein festlicher Text, etwas Zusammenfassendes oder gar nach vorn Weisendes. Können wir diese Verse des Paulus so einordnen, verstehen, die für das heutige Dreieinigkeitsfest vorgeschlagen sind? Vor allem, weil Pauls hier zu kämpfen hat. Mit seiner Gemeinde in Korinth. Wie so oft erfahren wir nur die eine Seite des Konflikts. Und doch ist zu erahnen, dass da welche sind, die Paulus als Problem ansehen. Diesen Zeltmacher, mit theologischer Ausbildung. Der durch die Gegend reist und vom Heil Gottes predigt. Der selbst ein kaputter Typ ist, wie wir heute sagen würden, an vielen Gebrechen leidet, die ihm das Leben schwer machen. Sowohl physisch, wie auch psychisch. „Was sollen wir mit so einem?“, so fragen die Korinther. Die, die sich nach Siegertypen sehnen. Die sich wünschen, dass es etwas bringt, Christ zu sein. „Wir brauchen einen Helden“, so hören wir sie sagen. „Der uns zeigt, dass das Christentum toll ist, es einem besser geht, wenn der Glaube das Leben bestimmt. Dass christlicher Glaube etwas Attraktives ist, einem etwas bringt!“ Wenn Paulus selber schwach ist, ist das doch nicht ansprechend, überzeugend. Nur Stärke spricht an. Vor allem muss das, was uns vom Glauben überzeugen soll, einfach sein, klar und eindeutig.
Wenn ich das höre, liebe Gemeinde, kommt es mir vor, als ob diese Worte nicht bereits knapp 2000 Jahre alt sind. Sondern heute aktueller sind denn je. Und wie dann Paulus seine Gedanken auf den Punkt bringt, passen sie sehr gut zur heutigen Feier der Goldenen Konfirmation. Denn sie fassen nicht nur gut zusammen, an was und wen wir glauben, sondern wie unser Glaube unser Leben bestimmen und verändern möchte. Vor allem, wie wir mit Zuversicht und Hoffnung nach vorn blicken können. Weil Gott bei uns ist, er uns seinen Frieden zusagt.

Dabei stellt Paulus fest, dass der Glaube, wie das Leben, nicht immer so einfach ist, klar und eindeutig. Vor allem uns nicht zu Helden oder Superstars macht. “Zuletzt, nachdem ich euch bereits so viel geschrieben habe, mich angestrengt habe, für euch eingesetzt habe, Tränen für euch vergossen und euch versucht habe zu trösten, freut euch! Lasst euch ermahnen: Habt einerlei Sinn und lasst euch zurechtbringen!“
Wie soll das denn gehen, und wie klingt denn das: Sich freuen, wenn ein anderer mich ermahnt? Eines Sinnes sein und sich gegenseitig zurechtbringen? Macht das Sinn, mit diesen Gegensätzen zu leben und zu glauben? Ja, schreibt Paulus, das muss gehen, denn anders geht es nicht. Vielleicht weiß er es so genau, weil er selbst mit Gegensätzen leben muss, die ihm seine körperlichen Beeinträchtigungen und die Gottes-Begeisterung auferlegen. Wer sonst, wenn nicht er, ist darauf angewiesen, dass Gottes Kraft in den Schwachen mächtig ist. Wie kein anderer sehnt er sich nach Heil, dem Frieden, dem Schalom, der in Gott verborgen ist. Darum ist er überzeugt: Das Geheimnis des Friedens ist es, Gegensätze zusammenzubringen. Sie nicht gegeneinander auszuspielen, sondern miteinander zu versöhnen. Wege der Verständigung zu gehen, des sich gegenseitig Respektierens, und wenn nicht anders möglich tragfähige Kompromisse zu finden. Liebe Gemeinde, sie merken, wir sind nicht weit weg von Paulus. Ganz aktuell, fast schon politisch gesprochen, wenn es nicht um unseren Glauben an Gott ginge.

„Freut euch, lasst euch zurechtbringen, lasst euch mahnen, habt einerlei Sinn, haltet Frieden!“ Das bedeutet sich gegenseitig daran zu erinnern, worauf es ankommt und was Sinn macht. Gemeinsam nach dem Sinn zu suchen, inmitten von dem, was uns überall an Angeboten geradezu überschwemmt. Sich darüber zu freuen, wenn einer mich, mein Handeln und Denken hinterfragt, weil dadurch deutlich wird, dass ich ihm nicht egal bin. Es kommt auf mich an. Frieden ist etwas, das geschieht, wenn ich mit anderen in Beziehung trete. Frieden zu halten geht nicht allein. Mich aus allem raushalten, gar zurückzuziehen, um für mich Frieden zu haben, macht einsam. Keiner fragt mehr nach mir und ich kann mit niemand mehr reden. Das ist kein Frieden, sondern ein Leben auf einer Insel. Frieden braucht immer das Ringen um das, was richtig ist. Was sinnvoll ist. Um das, wie wir miteinander in Beziehung treten können. Darum schlussfolgert Paulus, ist der Gott des Friedens einer, der mit sich selbst in Beziehung steht. Gott in drei Personen, die doch eine sind.

Interessant ist, dass Paulus hier die antike Theatersprache verwendet. „Personae“, das sind in der Antike Masken, die die Schauspieler tragen. Aber nicht in der Form, dass sich dahinter dann, wie in der Fasnet, eine Person verbirgt, um nicht erkannt zu werden. Die zuerst entlarvt werden muss, damit das Gegenüber erkennt, wer das ist und was er will, wie er denkt, was er fühlt. Eine Maske, um sich zu verstecken. Und sein Gegenüber darum oft mehr als vorsichtig ist, voller Misstrauen, weil nicht mit offenen Karten gespielt wird. Genau für das Gegenteil steht die antike Maske. Wenn Schauspieler Masken, „personae“, tragen, werden sie zu diesen Figuren, verkörpern das, was sie ausmacht. Lassen sichtbar werden, was wichtig ist. Zeigen, wer die Figur ist. Und treten dann so in Kontakt mit anderen. Mit ihren Eigenschaften bauen sie Beziehungen zu anderen auf, kommen anderen näher, ergänzen und verändern sich gegenseitig. Die Masken der Antike, so könnten wir auch sagen, sind der Resonanzraum, in dem das zum Klingen kommt, was zwischen den Figuren geschieht.

Und so verhält es sich mit Gott. Darum verwendet Paulus diesen Begriff der Maske, der „personae“. Da klingen drei Personen zusammen, ergänzen sich, zeigen unterschiedliche Eigenschaften von Gott. Die Rede von Gott ist gerade nicht entlarvend, sie sucht nicht nach etwas, was sich verbirgt. Die Beziehung zu Gott soll nicht von Misstrauen geprägt sein, weil er ja vielleicht doch noch etwas ganz anderes sein könnte. Auch wenn ich nie alles von Gott sehen kann, ihn nie ganz begreifen werde, er verbirgt sich nicht vor uns. Er zeigt sich uns. Ganz offen. Er zeigt sich als Einer in Dreien.
Gott in drei Personen, nicht entlarvend, sondern genau beschreibend. Der Gott des Friedens, der sich in Christus zeigt. Als Geist der Gemeinschaft, der Christus der Gnade und der Gott der Liebe. Und es laufen zwischen diesen Beschreibungen Linien hin und her, verknüpfen sich, es bestehen Verbindungen untereinander, denn die drei Personen Gottes stehen nicht einfach nur nebeneinander, ohne jede Beziehung. Sie fließen ineinander. Sie begegnen sich nicht nur, sondern sie sind eins. Berühren sich, durchdringen sich, ganz leidenschaftlich. Liebevoll. Wie Fäden verknüpfen sie sich, damit in ihrem Geflecht etwas zum Klingen kommen kann. Das Heil, der Frieden, der Schalom. Das ist der Kern Gottes, der uns in drei Personen entgegentritt. Er ist in seinem Innersten ein Gott des Friedens. Ein Gott des Heils. Eines Lebens, in dem alles zusammenkommt und nichts fehlt. Und gerade darum ganz wird. Weil alles sein darf.

„Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus“, liebe Gemeinde, mit dieser Zusage beginne ich in der Regel einen Gottesdienst. Weil es Paulus versteht, uns in wenigen Worten den Reichtum Gottes zuzusagen. Es ist Jesu Gnade, die von Gottes Liebe handelt, indem er Wunder tut. Der Schmerzen auf sich nahm, sich verwunden ließ, um uns zu heilen. Der sich beschämen und verhöhnen ließ, damit wir uns nicht mehr schämen müssen. Der sich uns wunderbar zuwendet, immer wieder, damit wir uns immer wieder wundern können. Er ist gnädig mit uns umgegangen und wendet sich uns immer wieder in seiner grenzenlosen Gnade zu.
„Und die Gemeinschaft des Heiligen Geistes“, weil es einfach gut tut, wenn wir uns gemeinsam, mit anderen zusammen, auf seine Gnade einlassen. Uns über seine Wunder freuen. Wenn wir uns begeistern lassen mit all unseren Sinnen von Gottes großer Liebe. Indem wir sinnvoll handeln, in einem Sinn und doch ganz verschieden. Mit den Begabungen, die wir von Gott erhalten haben, und mit denen wir uns für andere einbringen. Getrost und getröstet durch den Geist, der die Sache Gottes vertritt.
„Und die Liebe Gottes“, ohne die wir nicht wären. Wir dürfen Vater, Mutter zu Gott sagen. Darin wird Gottes Liebe sichtbar. Die uns hält und trägt. Uns versorgt, weil Gott Sorge hat um uns. In seiner Liebe sieht er uns an, hält uns in seinem Arm. Und seine Liebe vertraut uns gegenseitig an, damit wir uns trauen in Gemeinschaft zu leben. Uns auch dort getragen wissen, wo wir uns einsam fühlen. Die Ja zu uns sagt, wenn wir nur noch Nein sagen können.

„Das sagt uns Gott zu! Dies alles sei mit euch allen, damit ihr Frieden haltet!“ Liebe Gemeinde, liebe Konfirmandenjubilare, Gott sagt uns seinen Frieden zu, damit wir für den Frieden einstehen. Dem Frieden, dem Heil, Gott Raum geben in unserem Leben. Damit alles klingen kann, was unser Leben ausmacht. Gnade und Schmerz, Liebe und Mut, Geist und Sinn, Glück und Zweifel. Darum feiern wir heute den dreieinigen Gott. Der in uns und durch uns zum Klingen kommt. Und darum, meine ich, passen die Aussagen des Paulus gut zu ihrer Goldenen Konfirmation, weil sie uns vergewissern, was unseren Glauben ausmacht. Wie Gott sich uns zusagt. Trotz aller Gegensätze, die unser Leben ausmachen. Auch in uns selbst. Wenn wir uns schwach und verletzt fühlen. Und voller Hoffnung und stark. Freuen wir uns, dass sie ihre Goldene Konfirmation feiern und sich von Gott zusagen lassen dürfen, dass er immer wieder ganz neu unser Leben bestimmt. In seinem Geist, durch seine Liebe und Gnade. Gott möchte uns begeistern, damit wir Frieden finden und seinen Frieden weitergeben.
Amen