Gedanken zum aktuellen Wochenspruch (21.02. bis 27.02.2021)

 

 

Wochenspruch für Sonntag Invokavit – Er ruft mich an, darum will ich ihn erhören. (Ps. 91,15) vom 21.02. bis 27.02.2021

Dazu ist erschienen der Sohn Gottes, dass er die Werke des Teufels zerstöre.
1. Johannesbrief 3,8b


Es gibt Menschen, die sehen gerne Liebesfilme an, Jüngere gerade am Liebsten Serien. Andere lassen sich von Heimatfilmen ansprechen, sehen gerne Dokumentationen oder Nachrichten aus dem „Ländle“. Für viele ist der „Tatort“ am Sonntagabend schon zu einem Ritual geworden. In ganz unterschiedlichen Formen geht es immer um das eine Thema: die Auseinandersetzung von Gut und Böse. Und meistens siegt das Gute, darauf kann der Zuschauer sich verlassen. Macht dies die Attraktivität dieser Reihe aus? In den letzten Jahren haben sich immer mehr Krimis im wöchentlichen Fernsehprogramm etabliert. Kein Tag vergeht, an dem man nicht den Kampf gegen das Böse am Fernseher konsumieren kann. Die nicht enden wollende Auseinandersetzung von Gut und Böse. Der Kampf gegen das Böse. Oder gegen den Satan, den Teufel?

Wenn das Böse allzu sehr personalisiert wird besteht die Gefahr der Verharmlosung. Weil es an einem Menschen festgemacht werden kann. Solche „bösen“ Menschen sind schlimm, sie beuten ihre Mitmenschen aus, unterdrücken sie, täglich ist dies leider zu erfahren, leiden Menschen unter „bösen“ Menschen. Das Böse greift aber weiter. Wenn die Bibel vom Satan spricht, vom Teufel, wird etwas Personalisiert, um etwas nicht Einzugrenzendes, Greifbares verständlich zu machen. Das Böse ist eine Macht, die weit über einzelne Personen hinausgreift. Ist etwas, das versucht, immer wieder von neuem, auf den Menschen zuzugreifen, ihn in seinem Leben zu bestimmen.

Weil wir Menschen darum wissen, dass wir nie sicher sein können vor dem Zugriff des Bösen, ist vielleicht der Tatort und viele Krimis etwas, was so viele anspricht, weil hier meist eindeutig klar die Rollen verteilt sind. Die Ermittler sind die Guten und die Täter die Bösen. Und meistens siegt das Gute. Die Verbrecher werden überführt und verhaftet. Krimis sind im Grunde moderne Märchen, die uns erzählen, dass das Böse besiegt werden kann und sich letztendlich das Gute behauptet.
In unserer Welt geht es aber meist nicht so einfach, schematisch zu. Es gibt Krimis, die den Zuschauer etwas ratlos zurücklassen, weil sie offen enden. Ist das Böse nun besiegt oder nicht, kann ich aufatmen oder nicht, viele Zuschauer bleiben bei einem offenen Ausgang meist ratlos und unbefriedigt zurück. Der aber eher unserer tatsächlichen Lebensrealität entspricht. Wir wünschen es uns aber anders. Ein „Happy End“, der Sieg des Guten, so sollte unser Leben aussehen.

Menschenverachtendes Verhalten bestimmt immer stärker unseren Alltag, Unterdrückung und Unrecht sind alltägliche Begleiter, immer schamloser wird die Wahrheit verdreht, immer stärker wird jedes Vertrauen in Frage gestellt. Ein gelingendes, friedliches Miteinander rückt in immer weitere Ferne. Hass und Hetze sind „normal“ geworden, Beziehung belastet und zerstört. Ist das nicht auch alles mit „böse“ zu bezeichnen. Mit teuflischen Mächten gleichzusetzen? Viele wehren sich nicht mehr, geben auf, vor der Frage, wer oder was sich durchsetzen wird, das Gute oder das Böse, Bösartigkeit und Menschenverachtung oder Respekt voreinander, Fairness und die Achtung der Menschenwürde?

Für mich ist es der stärkste Ausdruck unserer christlichen Hoffnung, unseres Glaubens, dass diese Frage entscheiden ist. Denn das Evangelium bekennt, dass das Böse nicht das letzte Wort haben wird. Dafür hat Gott seinen Sohn in die Welt gesandt, dass er dem Bösen die Stirn geboten hat. Ihm seine Macht genommen hat. Seit Karfreitag, noch weit stärker seit Ostern gilt für das Böse, für den Satan , den Teufel: Dein Spiel ist vorbei!

                                                             Pfarrer Johannes Thiemann