Gedanken zum aktuellen Wochenspruch (30.03. bis 05.04.2020)

Liebe Gemeinde,

der Wochenspruch, der uns seit dem Sonntag Judica durch die Woche begleitet, ist ein Vers aus dem Matthäusevangelium (Mt 20,28):

 

Der Menschensohn ist nicht gekommen, dass er sich dienen lasse, sondern dass er diene und gebe sein Leben als Lösegeld für viele.

 

Der Menschensohn, das ist Jesus Christus. Und Jesus Christus lässt sich nicht dienen. Nein, er dient selbst.

 

Jesus Christus ist uns Vorbild und Richtschnur. Nun also die Frage: Dienen wir eigentlich auch? Oder besser gesagt: Wem dienen wir? Wem erweisen wir einen Dienst?

Bestimmt wird diese Frage ganz unterschiedlich beantwortet:

Vielleicht diene ich meinem Ehepartner, indem ich ihn pflege. Oder ich diene einem einsamen Geburtstagskind, indem ich ihr eine Karte schreibe. Oder ich diene einem Nachbarn, der gerade nicht mehr ungefährdet unter Leute kann, indem ich für ihn einkaufe. Oder ich diene meiner Freundin, die es gerade nicht leicht hat, indem ich für sie da bin. Sie aushalte.

 

Es gibt die unterschiedlichsten Formen, einander zu dienen, jemandem einen Dienst zu erweisen. Und manchmal tun wir es sogar ganz unwissentlich. Fest steht auf jeden Fall: An der einen oder anderen Stelle dienen wir alle, sei es als Pflegende, als Gratulantin, als Kontaktperson, als Nachbar oder als Freundin.


Beim Dienen, beim Dienst an unseren Nächsten, machen wir unterschiedliche Erfahrungen:

In manchen Momenten fühlt es sich stimmig und richtig an. Wir spüren dann, dass wir zur richtigen Zeit am richtigen Ort sind: Wenn der Gepflegte plötzlich ganz unbeschwert wirkt. Oder wenn unser Nachbar uns eine Dankesnachricht hinterlässt. Oder wenn einem Einsamen ein Lächeln über die Lippen kommt. Wenn meine Freundin mir einen dankbaren Blick zuwirft.

 

In anderen Momenten fühlt es sich unstimmig und falsch an: Wir haben dann den Eindruck, dass unsere Kräfte ausgehen und meinen, dass unser Aufopfern nichts bringt: Wenn die gut gemeinte Pflege abgelehnt oder mit schlechter Laune quittiert wird. Wenn eine Einsame nur Vorwürfe macht, dass wir uns ja auch nie melden. Oder wenn unser Nachbar eine Beschwerdenachricht hinterlässt, dass der Einkauf unvollständig war. Oder wenn die Freundin sich plötzlich von uns abwendet.

 

Wir haben dann nicht das Gefühl, dass wir positiv wirken können. Fühlen uns ohnmächtig und schwach. Unsicher und orientierungslos. Und beginnen zu zweifeln.

 

Diesem Zweifeln hat Jesus etwas entgegengesetzt. Denn: Auch er hat gedient. Und zwar uns allen. Er hat gedient, indem er sein Leben gegeben hat. Für uns. Für diese Welt.

 

In diese unsere Welt, die uns seit Corona so unsicher vorkommt, hat Jesus sein Leben gegeben als Lösegeld für viele. Hat alles ausgehalten, war selbst ohnmächtig. Hat unsere Angst auf sich genommen. Und uns aus ihr herausgelöst. Uns aus unseren Fesseln befreit.

 

In jedem Moment, in dem uns der Zweifel übermannt, in dem wir frustriert sind und unser Dienen in Frage stellen, stirbt Jesus in unsere Unsicherheit hinein und sagt: Ich bin da.

Bei all unseren unterschiedlichen Erfahrungen heißt das: Wir können zuversichtlich sein – auch und gerade jetzt, in Zeiten von Corona.

 

Ihre Vikarin Annika Brandt