Gedanken zum aktuellen Wochenspruch (20.09. bis 26.09.2020)

 

Wochenspruch zum 15. Sonntag nach Trinitatis

All eure Sorge werfet auf ihn; denn er sorgt für euch.
1. Petrus 5,7


Was haben wir doch für viele Sorgen!
Die Pandemie und ihre Auswirkungen.
Der Unfrieden auf der Welt – Ursache für so viel Elend.
Das Klima auf unserer Erde,
und jenes zwischen den Menschen: immer ein Gang auf dünnem Eis.
Sorge um die eigene Gesundheit.
Um die Kinder – die kleinen und die großen.
Um ihre Zukunft.
Auch um unsere – was wird alles noch kommen?
Streit mit den Nachbarn.
Unstimmigkeiten zwischen den Geschwistern.
Ärger mit dem Vermieter.
Stress am Arbeitsplatz.
Angst vor Entlassung.
Schulden.
Und Schuld.
Dort haben wir versagt – hier haben wir uns schuldig gemacht.

 

All unsere Sorgen auf ihn werfen?
Ein entlastendes Angebot.
Wir dürfen alles vor Gott bringen,
alles, was uns Mühe macht, ängstigt, kränkt, ärgert, quält.
Wir dürfen alles ablegen und uns von der Seele reden.
Da, schau her, Gott.
So geht’s mir,
das alles macht mir Angst,
tut mir weh,
macht mich fertig.
Das alles hab ich falsch gemacht,
bin ich schuldig geblieben,
hab ich versäumt.

 

Und dann?
Wendet Gott alles wieder zum Guten?
Macht er Dinge ungeschehen?
Dreht er die Zeit zurück?

 

Nein.
Aber er sorgt für uns.
Wir sind umfangen von Gottes Plan, von seinem Sorgen für uns.
Es ist alles so, wie es sein soll:
Die Sonne geht auf und unter.
Der Mond leuchtet bei Nacht.
Der Wind, der Regen, Frost und Hitze.
Es wächst und gedeiht: Bäume, Blumen, Büsche, Gras.  
Die Erde bringt Früchte hervor.
Nahrung für Tiere und Menschen.
Menschen werde geboren.
Kinder werden groß. Sie lernen jeden Tag etwas Neues.
Sie werden Jugendliche. Erwachsene.
Auch krank werden sie manchmal – und wieder gesund. Meistens.
Sie können fühlen, lachen, weinen, reden und: denken.
Gutes tun – oder es unterlassen.
Oft bekommen sie eine neue Chance.
Sie essen und trinken,
werden satt – mal weniger, mal mehr.
Nicht immer entscheiden sie klug und besonnen. 
Darunter müssen sie dann unter Umständen leiden. Und ihre Nächsten auch.
Das alles ist Gottes Plan für uns.
So sorgt er für unser Leben.
In allem sind wir umgeben von diesem göttlichen Plan.
Selbst am Ende unseres Lebens dürfen wir gewiss sein:
so ist es gut.
Auch die Trauer und der Schmerz,
auch Zweifel und Ratlosigkeit gehören zu Gottes Plan.
Die Erfahrung auch, dass etwas überwunden werden kann,
dass etwas Neues wachsen kann und Wunden heilen.
Nichts ist umsonst. Alles ist umfangen von Gottes Liebe zu seiner Schöpfung.
So sorgt Gott für uns. 

 

Und umfangen von seiner Fürsorge
können wir jeden Tag neu anfangen,
können wir befreit aufatmen,
können wir verantwortlich leben und handeln.
Und uns am Leben freuen.                                                                Gritli Lücking

 

 

 

 

 


Es ist genug, mein Gott.
Mehr kann ich nicht ertragen:
Und doch kommt immer neues Elend.

 

Reicht es nicht, dass dieses Virus umgeht auf der Welt?
Reicht es nicht, dass unsere Erde erstickt an der Gier nach Profit?
Reicht es nicht, dass Kriege einfach weiter gehen,
als hätten wir nichts Besseres zu tun?
Für Gerechtigkeit zu sorgen, zum Beispiel.
Oder einfach für ein menschenwürdiges Leben.
Jetzt in Moria und in den anderen Flüchtlingslagern.

Es ist genug, mein Gott.
Ich weiß nicht, was ich noch beten soll.
Nur das:
Höre auf das Weinen in den Lagern.
Und: Stärke unsere müden Hände.
Damit wir tun, was wir tun können.
Nicht weniger. Und nicht mehr.
                                                     Doris Joachim