Gedanken zum aktuellen Wochenspruch (06.07. bis 12.07.2020)

Wochenspruch für 06.07. bis 12.07.2020, 4. Sonntag nach Trinitatis

Einer trage des anderen last, so werdet ihr das Gesetz Christi erfüllen.
Gal. 6,2


In einem Geländespiel mit unseren Konfirmanden ging es darum, dass die Gruppe gewinnt, die mit allen Gruppenmitgliedern gemeinsam ins Ziel kommt. Es ging also nicht darum, wer das Ziel als Erster erreicht, sondern das „teamwork“ stand im Mittelpunkt. Und dabei galten erschwerte Bedingungen: einer konnte nichts sehen, ein anderer konnte seine Hände nicht benützen und wieder ein anderer lief nur auf einem Bein. Ein Vorwärtskommen war also nur möglich, wenn diejenigen, die nicht „eingeschränkt“ agieren konnten, sich um die kümmerten, die mit Einschränkungen zu kämpfen hatten. Im Grunde ein Spiel, das das wahre Leben wiederspiegelte, auf sehr eindrückliche Art und Weise. Hier trugen die einen tatsächlich die Last der anderen: sie mussten die Blinden führen, den Handlosen beim Tragen und Festhalten zur Seite stehen und den Einbeinigen entlasten, dass er die doch weite Strecke überhaupt zurücklegen konnte.

Wie kann ich das Gesetz Christi erfüllen? Der von der Nächstenliebe sprach, dem Gebot, das der Gottesliebe gleichzusetzen ist. Und die Nächstenliebe ist nur dem möglich, der seine Kraft aus der Eigenliebe schöpfen kann.  Wenn sich dagegen die Eigenliebe in sich selbst erschöpft oder sich selbst genügt, dann hat sie keinen Wert. Erfüllt nicht das Gesetz Christi. Gerade die jetzige „Corona-Krisenzeit“ kann hier meinen Blick ganz neu öffnen und mein Verhalten schärfen und neu justieren, wenn es darum geht darüber nachzudenken, wie ich zum „Lastenträger“ für andere werden kann. Wie ich dem „Gesetz Christi“ gerecht werden kann.

Bei der Bewältigung der Corona-Krise sollte immer mein Blick nicht nur und allein auf meine Befindlichkeit gerichtet sein, sondern auch auf meinen Mitmenschen. Dabei steht dann eben nicht nur der Wunsch nach einer schnellen Rückkehr zu einer wie auch immer gearteten Normalität im Vordergrund, sondern wie ich andere und mich schützen kann. Wie kann ich dazu beitragen, dass möglichst viele gesund durch diese Zeit kommen. Ich nicht nur über Einschränkungen jammere und meine Freiheit und vor allem Eigenverantwortlichkeit einfordere, sondern Einschränkungen als meinen Beitrag zum Schutz von meinen Mitmenschen verstehe und meine Freiheit dort endet, wo sie die Freiheit anderer einschränkt. Dass ich also aus Egoismus andere einer Gefährdung aussetze. Konkret geht es aktuell um die Aufhebung der Mund- und Nasenmaskenpflicht, da dies als störend und behindernd empfunden wird. Ich, für mich, kann das so sehen, wenn ich nur auf mich blicke. Wenn ich aber mein Gegenüber ernst nehme, den ich damit vielleicht gefährde, er auch ein Recht auf Schutz hat, vielleicht zur „Risikogruppe“ zählt, dann ist das Tragen der Maske nicht nur eine Einschränkung, gar Freiheitsberaubung, sondern ein Mittragen des anderen. Ein sich gegenseitig ernst nehmen. Gerade die jetzige Krisenzeit macht deutlich, wie sehr die Achtsamkeit unter uns Menschen wieder mehr unser aller Leben bestimmen sollte – und meint nicht genau dies das „Gesetz Christi“?

„Einer trage des anderen Last“, nehmen wir uns gegenseitig wahr und ernst, in der je eigenen Bedürftigkeit, daran hätten wir wohl mehr als genug zu tragen.

Johannes Thiemann